DER BAU VON LUFTSCHLÖSSERN KOSTET NICHTS, ABER IHRE ZERSTÖRUNG IST SEHR TEUER. * François Mauriac

Das sollte mir nicht passieren. Ich will schon lange Geschichten erzählen. Und nun tue ich es…
Kennengelernt habe ich Storytelling nach keltischer Tradition in Schottland, wo dies noch eine durchaus lebendige Tradition ist. Bei Besuchen der Findhorn Foundation, einer spirituellen Gemeinschaft, lernte ich erst Peter Vallance kennen, und dann Margot Henderson.
Beide sind begnadete professionelle Geschichtenerzähler, an deren wunderbaren Workshops ich teilnehmen durfte. Und als ich dann noch Fiona Davidson mit ihren Märchen hörte, zu denen sie eine wunderschöne keltische Harfe spielt, und einige Zeit mit Brother Blue verbringen durfte, einem Harvard-Doktor, der barfuß auf der Straße und in Gefängnissen erzählt –
da war es um mich geschehen, sozusagen.
Kann nicht eigentlich jeder erzählen, und warum dann nicht auch ich ?
Das fragte ich mich, und da fing die Welt an, sich zu verändern.
Ich begegnete dem einen und dann dem anderen Erzähler, lauschte fasziniert, begann nach Quellen zu suchen, fand Bücher voller unglaublicher Geschichten, fing an, selbst zu erzählen…
Als ich dann eines Morgens beim Frühstücken nach links blickte und auf meiner Schulter eine Elfe entdeckte, wurde mir klar, daß sich wirklich etwas verändert hatte.
Sie roch so wunderschön – weiblich, sah süß aus, und zwickte mir heftig ins Ohr, als ich wegen ihrer Ringelsöcken zu lachen begann. Die hatte sie selbst gestrickt, wie ich dann herausfand, und da war sie dann doch leicht beleidigt. Aber nach diesem anfänglichen Mißverständnis begannen wir uns gut zu verstehen, und sie erzählte mir von den Feen, von der Anderswelt, ihrem Freund, dem Wolf, und vielen anderen Wesen, denen ich dann nach und nach begegnen durfte.
So lernte ich viele Geschichten kennen, die natürlich nichts als die reine Wahrheit sind.
Ich erzähle sie Euch gerne wieder, denn ich möchte ein Teil dieser uralten Tradition der mündlichen Überlieferung sein und in aller Bescheidenheit nichts weniger als unsere Seele, die Seele der Menschen, bewahren helfen. Wo sonst finden wir uns selbst am direktesten und einfachsten, wenn nicht in unseren Geschichten ?
Die Zeit vergeht schnell, aber unsere Geschichten bleiben – wenn wir es denn wollen. Meine hörte ich von anderen Erzählern, andere habe ich gelesen, und manche kommen direkt aus der Anderswelt – siehe oben! Sie sind ganz unterschiedlich und aus vielen verschiedenen Ländern. Aber allen, egal ob lustig oder ernst, leicht oder voll tiefer Weisheit, ist etwas gemeinsam: aus ihnen klingt der Klang unserer Herzen, die Freude am Leben, die Trauer um das verlorene, das Wissen um das vergängliche und das Ewige, das uns erhält.
Geschichten erzählen uns von uns selbst und von unserer Kraft, die Dinge zu verändern und Freude daran zu haben.
Calypso, der Geschichtenerzähler